Soziale Familie

Kinder wachsen lassen

Der fromme Spruch, Kinder seien die Zukunft und einfach wunderbar, scheint sich bisweilen wie ein Lippenbekenntnis anzuhören, wenn man die etwas lustlosen Geburtenzahlen in unserem Land betrachtet. Die Frage nach Bezugspersonen für die eigenen Kinder wird mittlerweile im Kontext von einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Berufsleben und Familie immer leiser gestellt und mit immer neuen Konzepten der Kinderbetreuung beantwortet. Für nicht wenige beiderseitig berufstätig vollständig ausgelastete Paare scheinen sich die Zeiten, die man wirklich für den eigenen Nachwuchs investieren kann, auf jenes Minimum reduziert zu haben, die getrennt lebende Eltern ohne gemeinesames Sorgerecht manachmal an den Wochenenden ausüben. Das Kind von heute ist gut versorgt und betreut und mit etwas Glück verbringt es auch einmal pro Woche mit den Eltern etwas Zeit. Wen verwundert es, dass ein solches Modell einer Familie junge Menschen nicht notwendigerweise dazu antreibt, eigene Kinder zu zeugen? Kinder werden zum Betreuungsobjekt und die Eltern zu deren Sponsor.


© Sabrina Gonstalla / pixelio.de
Eine Bezugsperson ist ein Mensch, der sich tatsächlich für den Werdegang des Kindes verantwortlich sieht. Dies ist bei Babysittern, Lehrern oder dem Trainer im Sportverein sicherlich oft nicht der Fall. Wenn sich auch die Eltern dieser Aufgabe zu entziehen wissen, dann braucht man sich über mangelnde Bodenständigkeit in der Entwicklung des Kindes nicht zu wundern. Viele Kinder leiden heute unter sogenannten Defiziten in der Aufmerksamkeit, ein Phänomen, das sicherlich im Trend der Zeit liegt und sich wohl nicht immer nur auf die Kinder beschränkt. Wenn der Alltag der Erwachsenen von Ruhelosigkeit geprägt ist, wie soll es dann gelingen den eigenen Kindern, Konzentration und Ordnung im eigenen Leben zu vermitteln? Wenn die Eltern den Großteil ihrer Freizeit vor dem Fernseher verbringen, dann ist es nicht verwunderlich, wenn auch das Kind bald die Spielekonsole als einen adäquaten Weg entdeckt, sich vom Alltag zurück zu ziehen.

Der Leistungsdruck unserer Gesellschaft wird schon recht früh auch auf die Kinder übertragen. Ob im Sportverein oder in der Schule, immer steht das Ergebnis der Leistung vor dem sozialen Miteinander und dem Spaß gemeinsamer Aktivitäten. Doch wer sich in die eigene Kindheit zurück besinnt, mag selbst ausmachen, ob diese hohen Erwartungen tatsächlich immer zu hoher Lebensfreude ihren Beitrag zu geben wussten oder ob dies nicht eher die freien Stunden waren, in denen man der Fantasie und Aktivität ohne Vorgaben ihren Weg gehen lassen durfte. Kaum der eigenen Kindheit entwachsen machen junge Eltern oft die selben Fehler unter denen sie wenige Jahre zuvor noch zu leiden glaubten. So schnell ist im Kontext der nächsten Generation vergessen, worüber man sich gestern als Jugendlicher noch beschweren wollte.


© Peter Smola / pixelio.de
Der Wert von Kindern in der veröffentlichten Meinung und in den Medien scheint im selben Maße zu wachsen, wie das mit der mangelnden Zeit, die für den Nachwuchs eingesetzt werden kann, verbundene schlechte Gewissen. Entsetzt verfolgt man dramatische medieninszinierte Misshandlungsfälle im Fernsehen und versäumt dabei die Frage zu beantworten, wann man zuletzt denn selbst mit dem Kind gespielt hat. Die Anzahl der vermeintlich seelisch gestörten Kinder ist in den vergangenen Jahren besorgniserregend gewachsen. Doch vielleicht sind es nicht die Kinder, die Hilfe benötigen, sondern unserer Gesellschaft, die der Natürlichkeit des jungen Menschen nicht mehr gewachsen ist. Ratlose und rastlose Eltern stehen oft vor dem Problem, nicht zu wissen, was wirklich gut für das eigene Kind ist. Eine Flut von sich widersprechenden Erziehungsratgebern weiß den bestens Erziehenden zu überfordern und zu verunsichern. Manchmal ist es ein guter Rat, ein Kind einfach wachsen zu lassen. Man kann den Nachwuchs in seinem Leben begleiten, aber man kann ihn nicht wirklich kontrollieren. Einer Pflanze kann man auch gelassen bei ihrer Entfaltung zusehen, ohne bestimmen zu müssen, welches Blatt nun denn an welcher Stelle wachsen soll.

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